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"Lindeneck" Ergänzungsgebäude Geburtshaus Winterthur

"Lindeneck" Ergänzungsgebäude Geburtshaus Winterthur

Wir glauben, dass Architektur, welche auf den menschlichen Massen und der Geometrie der Natur basiert, Ästhetik und Harmonie erzeugt.

Realisierung

2023-2026

Standort        

Winterthur

Leistungen

Projektentwicklung, Baueingabe, Ausführungsplanung
Bauleitung, Gestalterische Leitung


Projektteam
Architekt: Lüscher-Lüscher Architekten

Knut Lüscher, Nikolaos Varlagkas, Silvio Girola, Lorenzo Perino, Rie Yomura, Tobias Zinsmayer, Petros Polychronis, Paola Colin, Ilektra Wolke

Bauleitung

PK Baumanagement, Zürich / Lüscher-Lüscher Architekten

Landschaftsarchitektur

ZHAW Forschungsgruppe Wädenswil

Bauingenieuer

F. Preisig AG , Zürich / Winterthur

HLS Ingenieuer

Planforum AG, Winterthur

Elektro Ingenieuer

Gutknecht Elektroplanung AG, AU/ZH

Bauphysik

Zehnder & Kählin AG, Winterthur

Fotografie

Schaub Stierli Fotografie, Zürich

Die Villa Lindeneck in Winterthur wurde behutsam saniert und mit einem Neubau zum Geburtshaus transformiert. Historische Substanz und zeitgemässe Architektur verbinden sich zu einem Ort, der Tradition bewahrt, neue Nutzung ermöglicht und Frauen sowie Selbstbestimmung ins Zentrum stellt.

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Vision

Ziel des Eigentümers war es, die historische Villa Lindeneck als Teil der Gartenstadt Winterthur in ihrem städtebaulichen Kontext zu erhalten und in eine neue, nachhaltige Nutzung zu überführen, die dem Gemeinwohl der Winterthurer Bevölkerung zugutekommt.

Umsetzung

Die in unmittelbarer Nähe zum Kantonsspital Winterthur liegende Villa Lindeneck erhielt eine neue, zukunftsgerichtete Nutzung im Gesundheitswesen. Ergänzt durch einen sensibel gesetzten Neubau wurde hier ein Geburtshaus etabliert, getragen von einer Hebammengemeinschaft.

Das Geburtshaus Winterthur ist heute als hebammengeführte Einrichtung auf der Spitalliste und mit über 200 begleiteten Geburten pro Jahrerfolgreich in Betrieb.

Die neue Nutzung in Verbindung mit dem Ergänzungsbau ermöglicht den weitgehenden Erhalt der historischen Substanz der Villa Lindeneck. Das Projekt verbindet denkmalpflegerische Sorgfalt mit einer zeitgemässen, gesellschaftlich relevanten Nutzung und führt den Ort in eine nachhaltige Zukunft. 

Haltung

Die Villa Lindeneck entstand in einem historisch patriarchal geprägten Kontext – ihre ursprüngliche Nutzung ist Ausdruck dieser Ordnung.

Heute erfährt das Haus eine grundlegende Neupositionierung: Frauen stehen im Zentrum. Hebammen und Gebärdende prägen den Ort und verleihen ihm eine neue, zeitgemässe Bedeutung. Die Villa wird zu einem Raum der Selbstbestimmung, der Fürsorge und der kollektiven Stärke.

So transformiert sich die bestehende Struktur nicht nurfunktional, sondern auch inhaltlich. Aus einer historisch geprägten Ordnungentsteht eine selbstbewusste Neuinterpretation – als architektonischer Ausdruck gesellschaftlichen Wandels und einer gestärkten Rolle der Frau.

Villa Lindeneck
Zur Entstehungszeit der Villa Lindeneck kreuzten sich die Hauptachsen der mit Prachtbauten gesäumten Lindstrasse und der neu angelegten Bahnlinie zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Zwischen diesen Achsen entstand eindreieckiges Grundstück an prominenter Lage: das Lindeneck.

Hier liess der Besitzer der Brauerei Haldengut, Fritz Schoellhorn,im Jahr 1895 durch das renommierte Architekturbüro Jung & Bridler einegrosszügige Villa im Stil der englischen Neogotik errichten.

Die Villa Lindeneck präsentiert sich heute in leicht erhöhter Lageam Auftakt der Winterthurer Repräsentationsmeile «Lindstrasse» und nimmt aufgrund ihrer architektonischen Ausprägung sowie ihrer städtebaulich markantenStellung eine weithin sichtbare und identitätsstiftende Funktion ein.

Der asymmetrisch gegliederte, kubische Baukörper wird strassenseitig durch einen zweigeschossigen Erker und einen dreigeschossigen Eckturm akzentuiert. Die für die damalige Zeit schlichte Fassade ist aus rotem Sichtbacksteinen erstellt und wird von einer aufwendigen Dachlandschaft bekrönt.

Eingebettet ist die Villa in einen historischen Garten mit prägendem Altbaumbestand. Die Villa Lindeneck und der Garten stehen unter kommunalen Denkmalsschutz.

Entwurf /Programm

Damit die historische Villa Lindeneck langfristig erhalten werden konnte, bedurfte es einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Nutzung. Aus dieser Notwendigkeit heraus entstand die Idee eines Geburtshauses – ein Konzept, dass sich über Jahre entwickelte und schliesslich realisiert wurde.

Die Integration des Raumprogramms eines zeitgemässen Geburtshauses in die bestehende Villa erwies sich als anspruchsvoll und konnte nur durch einen ergänzenden Neubau in unmittelbarer Nähe gelöst werden.

Alt- und Neubau sind als präzise gesetztes Ensemble konzipiert. Die Villa Lindeneck bleibt identitätsstiftender Hauptkörper und bestimmt die Wirkung des Ortes. Der Neubau tritt bewusst zurück, stärkt den Bestand, in dem er den Aussenraum räumlich gliedert.

Als kompakter, organisch geformter Baukörper integriert sich der Neubau harmonisch in den historischen Villengarten. Sein minimaler Fussabdruck ermöglicht den weitgehenden Erhalt des gewachsenen Baumbestands.

Im Dialog der beiden Gebäude entsteht ein spannungsvolles Gegenüber: Die klare, kantige Formensprache der Villa wird bewusst durch einen Neubau mit weicheren, differenzierten Geometrien komplementär ergänzt. So entsteht ein eigenständiger, zeitgenössischer Baukörper, der dem Bestand respektvoll begegnet und zugleich als gleichwertiger Partner auftritt.

Architektur / Materialisierung

Über die alte Kopfsteinpflästerung betritt man den Park und vor einem öffnet sich das Ensemble Villa Lindeneck und Neubau. Die glasierte Oberfläche des Neubaus setzt ein gleichermassen bescheidenes wie auffälliges Zeichen zum matt-rötlichen, alten Backstein der Villa Lindeneck. Zwischen diesen beiden Körpern spannt sich ein Aussenraum auf, der zum Eingang der Geburtsabteilung führt. Der Zugang zum Neubau hingegen ist mit Absicht so positioniert, dass er beim Betreten des Gartens nicht sichtbar ist, er liegt auf der rückwärtigen Seite und bewusst zurückgenommen um den Fokus gezielt auf die Villa zu lenken.  

Der mächtige Granitsockel der Villa findet sein Gegenüber in reduzierter Ausführung am Neubau. Die Kupfereinfassungen der neuen Bandfenster referenzieren die antiken Dachrinnen der Villa.

Die vertikal geschichteten Terrakottakacheln des Ergänzungsgebäudes spiegeln sich in den rötlichen Baumrinden der Eiben und Föhren im Ostgarten und reflektieren den Farbton der Villa Lindeneck. Sie vereinen die beiden Gebäude als Ensemble, ohne sich gegenseitig zu konkurrenzieren.

Die Villa ist über ein verglastes Treppenhaus mit Bettenlift direkt mit der Geburtsabteilung im Ergänzungsgebäude verbunden. Hier befinden auf Parkniveau eine medizinische Nutzung und in den oberen Praxen und vier weitere Wochenbett- oder Personal-Zimmer, sowie eine hochwertige Stadtwohnung mit Dachgarten.

In der Villa selbst befinden sich im Erdgeschoss dieAufenthaltsräume, die Küche und der Empfang. In den Obergeschossen sind in den historischen Zimmern sechs Wochenbettzimmer eingerichtet.

Das prägnante dreieckige Grundstück, mit seinem historischen Villengarten, wird gegen die Bahn mit einer Schallschutzmauer neu gefasst und förmlich lesbar gemacht. Gleichzeitig inszeniert der räumlich vergrösserte nördliche Garten die Villa und gibt ihre die nötige Öffnung für die Eingangssituation.

Die Villa Lindeneck wurde durch den Rückbau des Frühstückszimmer sund der Garage aus den Jahren 1927 und 1933 wieder in ihrer ursprünglichen Formvon 1897 lesbar gemacht.

Sanierung

Die Sanierung der Villa Lindeneck erfolgte mit grosser Sorgfaltund in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. Natursteineinfassungen, hölzerne Täfelungen, maserierte Türen, historische Farbanstriche und Bodenbeläge wurden behutsam restauriert; die originalen Bleiverglasungen, Tapeten und Wandverkleidungen blieben erhalten und wurden fachgerecht instandgesetzt.
Wo nötig, wurde die bestehende Raumkomposition durch neue Tapeten und Farbnuancen erweitert.

Das Dach wurde komplett abgedeckt, saniert, gedämmt und erneut mit Schiefer eingedeckt – eine handwerklich anspruchsvolle Aufgabe, die erfahrene Dachdecker und Spengler mit grosser Präzision und handwerkliches Geschick erforderte.

Zur Erfüllung der betrieblichen Anforderungen eines Geburtshauses wurde eine kontrollierte Lüftung integriert, die unsichtbar in die historischeStruktur eingefügt ist und das Erscheinungsbild der Räume nicht beeinträchtigt.

Die Sanierung zeigt exemplarisch, wie technische Anforderungen – einschliesslich anspruchsvoller Brandschutzmassnahmen – mitdenkmalpflegerischen Zielsetzungen in Einklang gebracht werden können. Nutzung und Denkmalpflege stehen dabei nicht im Widerspruch, sondern sind sorgfältig aufeinander abgestimmt.

Reintegration

Mit der neuen Nutzung konnte die Villa Lindeneck nahezuvollständig im Originalzustand bewahrt werden. Die Anbauten des Frühstückszimmers (1927) sowie die Garage (1933) wurden zurückgebaut, wodurch die ursprüngliche Gestalt der Villa von 1897 wieder klar ablesbar ist.

Bauteile und Materialien aus den rückgebauten Strukturen wurden gezielt reintegriert: Das Terrassengeländer und die Treppenstufen des ehemaligen Frühstückszimmers fanden als Elemente des neu gestaltetenDachgartens des Ergänzungsgebäudes eine neue Verwendung. Teile der historischen Küchenausstattung wurden wieder eingebaut; antike Lavabos, Leuchten und Spiegel bereichern die neu gestalteten Bäder und Wochenbettzimmer.

Sämtliche Einbauschränke sowie die historischen Innenausbauten der Villa wurden sorgfältig restauriert und in die neue Nutzung integriert.

Freiraum und Ökologie

Die Umgebung der Villa und des Geburtshauses wird geprägt von einem geschützten Altbaumbestand auf gereiftem Boden dank jahrzehntelangem Laubeintrag. Die historischen Pflanzungen wurden epochengetreu wiederhergestellt und mit trockenheitstoleranten, standortgerechten Arten ergänzt. Durch eine sanfte Geländemodellierung wie auch über unterirdische Schotterrigolen gelangt das Dachwasser gezielt zu den Altbäumen. Die historische Natursteinpflästerung blieb, wo möglich, erhalten und wurdesorgfältig geschützt. Die ungebundenen Bauweisen der Beläge ermöglichen die lokale Versickerung des Regenwassers, womit der gesamte Garten den Grundsätzender Schwammstadt und der Kreislaufwirtschaft entspricht.

Das Grundstück erhielt im Norden einen neuen Mauerabschluss zur Bahnlinie hin – gestalterisch als repräsentative Weiterentwicklung der bestehenden historischen Einfassungsmauer konzipiert und in Klinker und Naturstein ausgeführt. Als prägnanter Abschluss der Parzelle fasst sie das Ensemble räumlich und verleiht dem Gesamtbild Geschlossenheit und Bestand.

Der Dachgarten des Ergänzungsgebäudes wurde nach den Prinzipien der Schwammstadt gestaltet, was sowohl den Wasserhaushalt des Grundstücks als auch das urbane Mikroklima positiv beeinflusst. Der begrünte Dachgarten fügt sich dabei in das Bild des umgebenden Villengartens ein – das Ergänzungsgebäude wird so nicht nur räumlich, sondern auch ökologisch als Teil des Grüngürtels lesbar.

Projektbeteiligung

Die Projektentwicklung erforderte eine intensive, fachübergreifende Zusammenarbeit – bedingt durch eine anspruchsvolle Ausgangslage: eine denkmalgeschützte Villa in Gleisnähe, ein wertvoller historischer Baumbestand und die Anforderung, Neubau und Bestand zu einem stimmigen Ganzen zu fügen.

In enger Abstimmung mit dem Amt für Städtebau, Stadtgrün, SBB und Denkmalpflege wurden gestalterische und bauliche Lösungen entwickelt, die den historischen Charakter der Anlage wahren und gleichzeitig zeitgemässen Anforderungen gerecht werden.
Die Abstimmung der energetischen, technischen, historischen und statischen Anforderungen zwischen Alt- und Neubau verlangten von den beteiligten Fachplanern, Ingenieuren und spezialisierten Handwerkern ein hohes Mass an Kreativität und Präzision.

Besonders prägend war die Zusammenarbeit mit dem Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW: Auf der herausfordernden, durch Gleisinfrastruktur geprägten Parzelle wurden Prinzipien der Schwammstadt in einen historischen Kontext übertragen und wissenschaftlich erprobt. Die Ansätze verbinden nachhaltiges Grünraummanagement mit dem Erhalt des bestehenden Baumbestands. So entstanden robuste Konzepte, die Regenwassermanagement, Mikroklima und langfristigen Baumerhalt miteinander in Einklang bringen. Die Wirksamkeit dieser Massnahmen wird in den kommenden Jahren vor Ort untersucht und dokumentiert.

8| Vorfahrt zum neuen Geburtshaus Winterthur

7| Altbau und Neubau treten als Ensemble in Erscheinung

4|Wir haben versucht einen Ort zu schaffen an dem sich die Menschen wohl und geborgen fühlen.|text

7| Spiegelung

4| Eingang zur Gebursabteilung

7| Schwarzplan

4|Die Villa Lindeneck präsentiert sich heute in leicht erhöhter Lage am Auftakt der Winterthurer Repräsentationsmeile «Lindstrasse» .|text

6| Anbau zur Villa Lindeneck

5| Situation Gartenplan

4|Das prägnante dreieckige Grundstück mit seinem historischen Villengarten wird zur Bahnseite mit einer Schallschutzmauer neu gefasst und lesbar gemacht.|text

5| Abgang zur Geburtsabteilung

4| Alt und Neu verbinden sich

8| Westfassade

3| Eingang zum neuen Lindeneck

7| Treppenhaus

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4|Materialien sollten in ihrer archaischen Form aus sich selber sprechen.|text

5| Licht und Schatten

4| Bandfenster in Eichenholz

8| Cheminée

3| Detail

5|Die Bewohner erreichen aus ihre Wohnung den Dachgarten|text

7| Dachgarten mit Blick über die Stadt

8| Drohnenaufnahme

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Das prägnante dreieckige Grundstück mit seinem historischen Villengarten wird zur Bahnseite mit einer Schallschutzmauer neu gefasst und lesbar gemacht- gestalterisch als repräsentative Weiterentwicklung der bestehenden historischen Einfassungsmauer konzipiert und in Klinker und Naturstein ausgeführt. Als prägnanter Abschluss der Parzelle fasst sie das Ensemble räumlich und verleiht dem Gesamtbild Geschlossenheit und Bestand.

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